Tag 11 und 12: Kazanlak – Nessebar – Die Thraker, Toleranz und Ankunft am Schwarzen Meer

Bulgariens Straßen

Zwei Tage mit viel Geschichte und rund 570 km liegen hinter uns. Von Kazanlak aus überquerten wir den Shipka-Pass mit 1185m Seehöhe. Der Pass wurde schon in frühen Jahrtausenden angelegt und verband Thrakien mit der Donauebene. Wie schon bekannt, ist kein historischer Ort ohne viel Blutvergießen in den Schlachten der verschiedenen Epochen entstanden. So auch hier.

Danach meanderten wir zwischen den Wasser gefüllten Schlaglöchern stundenlang neben den ausgedehnten Feldern über ein Hochplateau dahin, bis wir bei Iwanowo die Straße runter in einen Art Krater fuhren. Von da unten ging es dann per pedes rauf zur Felsenkirche.  Der Aufstieg tat richtig gut nach der langen Fahrt. Mehrere Felshöhlen wurden hier bereits im 12. Jh. von Eremiten behaust und später zu einem zusammenhängenden Klosterkomplex verbunden. Heute ist nur noch die kleine Marien-Kirche mit Wandmalereien aus dem 13. Jh. zugänglich.

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Wir waren aber nicht nur wegen der Felsenkirche so weit gefahren. Die Region um Razgrad, wo wir uns für die Nacht in einem pipifeinen kleinen Familienhotel einquartiert hatten, wartet noch mit viel mehr erstaunlichen Kulturschätzen auf. Haben wir in Kazanlak schon ein thrakisches Grabmal (Kopie) besichtigt, liegt bei Isperih ein bedeutendes Original, das „Grabmal von Sveshtari“. Auf Grund der Anordnung der Grabkammern und der reichen Verzierung mit reliefartigen Frauenfiguren und der Grabbeigaben, wird angenommen, dass es sich um ein wichtiges thrakisches Fürstengrab handelt. Um das Denkmal lange zu erhalten, sind verständlicherweise höchste Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten. Auch in der Nähe dieses Hügelgrabes wurde ein bedeutender Goldschatz geborgen. Interessant, dass rund 180 Grabhügel bekannt sind und nur wenige davon bisher archeologisch erforscht wurden. Wer weiß welche Schätze sich darunter noch verbergen.

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Nur ein paar Kilometer weiter gab es ein weiteres Kleinod zu besichtigen, die Tekka Demir Baba. „Der eiseren Vater“ ist der meist verehrte Heilige unter den alidischen (schiitischen) Bevölkerung in Nordostbulgarien. Seine Grabstätte ist noch immer eine der wichtigsten Pilgerstätten der einheimischen Alanen und der orthodoxen Muslime. Forschungen haben ergeben, dass es sich hier um einen bereits vor 2000 Jahren heiligen Ort für die Thraker handelt, später sollte sogar eine Kapelle hier gestanden haben. Der Bau des Grabmals von Demir Baba datiert um 1612-1617. Dieser  Kraftplatz ist ein Ort der Toleranz, erzählte uns die Führerin beim Thakergrab. In der mitgebrachten Broschüre hab ich folgenden Satz gefunden, der hier sehr zutreffend ist: „Die uralte Tradition der heiligen Plätze, welches sich auf friedliches Miteinander, Gleichheit von Gott und Brüderlichkeit unter den Menschen beziehen, sind gleichsam lebendig, ohne dass sie in irgendeiner Form niedergeschrieben oder besonders festgelegt wurden und werden von allen Besuchern nachdrücklich eingehalten.“

Aber damit noch nicht genug über unsere historische Reise. Die Fahrt ging noch weiter nach Madara. Hier befindet sich der „Reiter von Madara“. Es handelt sich hier um ein Relief das vermutlich auf das 8. Jahrhundert oder gar auf die Thraker zurück geht. Auf alle Fälle war es Teil einer Kultstätte aus dem Ersten Bulgarischen Reich. Die Bulgaren haben daher abgestimmt, dass der Reiter die Euro-Münze zieren soll. Das „wann“ dafür ist zwar noch unbestimmt, aber es wird schon werden.

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Es scheint voran zu gehen mit dem Land, das merkt man vielerorts, je weiter wir in den Osten vordringen. Unbestritten liegt arm und weniger arm hier nahe beisammen, etwas besser sieht es in den touristischen Regionen aus. Dazu noch eine nette Begegnung in dem  kleinen Dorf Panitsovo. Hier sind wir zufällig auf eine Gruppe Franzosen mit BMW-Motorrädern auf Tour gestoßen (die ersten Motorradfahrer, die wir getroffen haben, seit wir in Bulgarien sind). Von dem aufgeregten Geplapper angezogen, gesellte sich eine Bulgarin zu uns und fragte, ob jemand auch Deutsch redet. Sie freute sich wieder Deutsch zu sprechen und erzählte von Ihren Plänen. Sie hat 30 Jahre in der DDR gearbeitet und ist jetzt zurück gekommen, um hier ein Altenheim zu bauen. Das Land braucht Initiativen und die Jungen und die Heimkehrer packen an, das haben wir in Razgrad, Kazanlak und Belogradchik gesehen. Und hier in Nessebar am Schwarzen Meer und in den Badeorten, war es immer schon gut, erzählte uns eine Kellnerin.

Ankunft am Schwarzen Meer – Nessebar

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