Die Slowakei entdecken – Pässemarathon 2021

Wieder mal war es das Wetter, dass unsere Pläne durcheinander gebracht hat. Nix in Richtung Westen, sondern in den Osten hat es uns bei der ersten Etappe des Pässemarathons 2021 verschlagen. Und nicht nur die vorgegebenen 12 Ziel-Pässe standen am Programm, sondern auch Sehenswertes in unserem Nachbarland Slowakei zu entdecken.

Tag 1
Das Nötigste war in den Seitenkoffern schnell verstaut und ab ging es durch die zauberhafte Wachau. Bei Tulln schmissen wir uns auf die Autoschnellstraße, um rasch an Wien vorbei ins Marchfeld zu kommen, um dann nach Hainburg die Grenze nach Bratislava passieren zu können. 2x geimpft, alle Formulare ausgefüllt und online registriert, so war die Einreise keine große Sache. Bahn frei für sechs Tage in der Slowakei.

Abgesehen von der Rush Hour am Freitag Nachmittag in Bratislava kamen wir gut voran und erreichten bald den ersten Pass – den Baba Pass oder besser die „Kalte Kuchl“ von Bratislava. Das dürfte der absolute Hotspot für die slowakische Knieschleifer-Fraktion und für sonstige Motorradenthusiasten aus der Umgebung sein, auch wenn der Pass nur 530 Höhenmeter vorlegt.

Das nächste Ziel war der Bradlo-Sedlo in den Weißen Karpaten. Auf dem Hügel befindet sich das gigantische Monument für den General Milan Rastislav Stefanik. Er war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten für die Gründung der Tschechoslowakischen Republik 1918. Auch wenn sich die Geschichte schon überholt hat und Tschechien und die Slowakei mittlerweile eigenständige Staaten sind, die Monumentalarchitektur von Dusan Jurkovic wurde zu Recht im UNESCO Kulturerbe aufgenommen. Wieder was dazu gelernt! Noch ein paar Kilometer bis Partizanski, wo wir unser erstes Quartier bezogen.

Tag 2
Von da ging es den nächsten Tag zu einem der schönsten Dörfer in der Slowakei – Cicmany. Die Geschichte dahinter ist zwar nicht so rosig, aber trotzdem, wer hier in der Nähe ist, sollte sich den Ort unbedingt ansehen. Zahlreiche traditionelle Holzhäuser mit der ornamentalen weißen Bemalung sind hier noch zu finden. Übrigens die Inspiration für die Wandmuster stammen von der traditionellen Stickerei auf der Kleidung und tauchten vor ca. 200 Jahren erstmalig auf. Die erste Erwähnung des Ortes datiert gar von der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Nach mehreren Feuern Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Dorf wieder aufgebaut, um hier den wirtschaftlich schlecht gestellten Leuten eine Bleibe zu geben. Es ist kaum vorstellbar, dass in so einem Haus bis zu 30 Personen lebten, arbeiteten und schliefen, denn groß waren die Hütten nicht. In den kleineren Häusern wohnten vier Familien mit den Kindern und es gab nur zwei Stuben, also jede Stube für zwei Familien. So ein Leben ist heute fast unvorstellbar. Es war ein hartes, karges Leben, voller Entbehrungen. Heute werden die Häuser hauptsächlich als Wochenenddomizile genutzt.

Nach dem Abstecher nach Cicmany wurden logischerweise die nächsten Zielpunkte angefahren: Maly Sturec-Pass, Donovaly-Pass und Certovica-Pass. Ein paar dunkle Regenwolken kündigten nichts Gutes an, also zischten wir ab ins nächste Quartier nach Braväcovo, ein kleines verschlafenes ruhiges Dorf, wo sich Fuchs und Henne gute Nacht sagen. Wir haben die Pension Schweintaal gewählt, weil es für den nächsten Tag ein guter Ausgangspunkt war. Das Essen war großartig und geschlafen haben wir auch wie die Bären. Bei so viel Landluft kein Wunder.

Tag 3
Am nächsten Morgen stiegen die Nebelschwaden aus den umliegenden Wäldern und Tälern, der Himmel war blau und die Sonne legte an Temperatur zu. Aufbruch zum Grajnar-Pass! Aber halt wie cool ist das? Indianerzelte und Siedlerwagen am Straßenrand und ein Saloon? Sind die letzten Indianer in die Slowakei ausgewandert? Das mussten wir uns näher ansehen, ausserdem kam eine kleine Kaffeepause grade recht. Nun hier Irgendwo im Nirgendwo hat ein findiger Geschäftsmann einen kleinen Family-Park im Western-Stil errichtet. Bald sollte die Eröffnung sein und dann kann so ein Siedlerwagen oder Tippy auch zum Nächtigen gemietet werden. Das ist sicher ein Erlebnis, nur so lange konnten wir nicht warten, denn der nächste Pass musste angefahren werden. Der Bock-Chef ließ sich wieder Mal von Meister Garmin in punkto Off-Road-Asphalt-Möglichkeiten beraten. Und in der Tat, der Meister spielte all sein Kartenmaterial aus, um möglichst asphaltfrei zum Sulova Sattel zu kommen. Die zwei Männer am Gartenzaun in Delava haben ganz schön geschaut, als wir mit der BMW GS 1200 Adventure um die Büsche quasi am Feldweg daher gehöppelt kamen, um auf die Dorfstraße einzubiegen. Das sieht man hier sicher nicht alle Tage.
Am Zielpunkt angekommen haben wir einen Wanderer gebeten, ein Foto von uns zu machen. („Ja manchmal muss ich jemanden fragen, sonst bin ich nie drauf auf den Bildern!“) Nachdem wir mit dem wandernden Zwillingsbruder von Jesus unsere Dattel-Vorräte geteilt hatten, kosteten wir weiter die slowakische Straßenqualität aus. Ich muss schon sagen, so manche Etappe war ein Fleckerlteppich vom Feinsten sogar mit hohem Schlaglochanteil. Top Qualität, da wurde sicher seit der Öffnung des Eisernen Vorhanges hart daran gearbeitet, um das so hin zu bekommen. Zurück auf der gepflegten Straße sausten wir gleich am Zielpunkt Stoske Sedlo vorbei. Zu blöd, das Schild war hinter den Büschen versteckt. Sehr tricky von den Organisatoren, hätten sie was von der Kirche daneben geschrieben, wäre uns das sicher nicht passiert. Aber die paar Kilometer mehr, waren auch schon egal an dem Tag. Quartier wurde diesmal wieder in einem beschaulichen Örtchen beim „Goldenen Adler“ genommen. Der Bock zog hinter der Küche in den kleinen Garten bei den Mistkübeln ein, wir bekamen ein super tolles großes Zimmer und schlemperten genüsslich in der Gaststube unser Stiefelbier. Bevor wir schlafen gingen, pfiff uns Hugo der Haus-Papagei im Billardzimmer noch ein Ständchen. So ein schöner Vogel!

Tag 4
Unsere nächsten Zielpunkte waren der Branisko-Pass und dann Spissky Hrad (die Zipser Burg), die zweitgrößte Burg in Europa, nur die Prager Burg ist noch größer. Der Baubeginn datiert ans Ende des 12. Jahrhunderts. Dem folgten mehrer Erweiterungsbauten dem Zeitgeschmack entsprechend. Mit einer Fläche von 41 Hektar finden wir hier in der Tat eine gewaltige mittelalterliche Burganlage vor, die eine lange wechselhafte Geschichte zu erzählen hat.

Nachdem wir alles auf der Burg abgestiefelt hatten, ging es weiter in die Hohe Tatra. Hier gibt es richtige felsige Berge, die bis zu 2500 hoch sind. Schneebedeckte Gipfel und Hotels, die schon bessere Zeiten erlebt haben, aber auch ganz moderne Bungalows, stehen für die Gäste bereit. Bei unserer Tour in die Ukraine haben wir hier schon übernachtet. Aber jetzt noch schnell zum Zielpunkt beim Nove Strbske Pleso auf 1346m bevor die Frösche ins Wasser springen (*grgrgr*).

Es gibt wirklich viel zu entdecken in der Slowakei, wie eigentlich in jedem Land. Am Weg zum Quartier, das vis a vis vom Aquapark Tatralandia lag, machten wir noch einen Stopp im Dorfmuseum Liptov, wo man die älteste Kleinadeligensiedlung in Liptov besichtigen kann. Spannend, welches Haus, mit welcher Ausstattung wem zustand: Kleinadeliger, Bürgermeister, Lehrer, Bauer, Tagelöhner. Der gesellschaftliche Stand war entscheidend für die Struktur des Hauses und die Nebengebäude.

Tag 5
Auf der Terrasse im Maladinovo genossen wir heuer unser erstes Frühstück in der Sonne. Es wurde auch schon Zeit, für ein wenig Sommer-Feeling. Ein Pass fehlte noch, den steuerten wir schnurstracks an, Martinske hole auf 1250m. Die Tourenbeschreibung ließ einen „herausfordernden Straßenbelag“ erwarten und viele Kurven auf einer schmalen Straße, was dann auch so war. Nachdem der Bock ja eh gerne höppelig unterwegs ist, war das für uns natürlich keine aussergewöhnliche Herausforderung. Nur ein paar Radfahrer und ein, zwei Autos sind uns begegnet. Am Wochenende ist sicher mehr los. Von hier ging es noch zum Endpunkt unserer Slowakei-Reise nach Trencin. Die drittgrößte Burg in der Slowakei steht hier und die wollten wir unbedingt noch ansehen. Der Bock bekam wieder einen Spezialparkplatz in einem Durchgang, der über Nacht abgesperrt wurde. Wir streiften in der Penzion Scarlet unsere Motorrad-Rüstungen ab und machten uns auf. Der steile Fußweg rauf zur Burg war nicht minder anstrengend, als die Auffahrt zum Martinske hole. Die Castell-artige Anlage ist authentisch renoviert. Man hat von da oben einen phantastischen Blick auf die Stadt, mit den Kirchtürmen und dem Kuppeldach der Synagoge. Die Burg von Trencin thront uneinnehmbar hoch oben auf ihrem Felsen über der Stadt – genau so hab ich mir immer eine Märchenburg vorgestellt. Den Tag liessen wir gemütlich in der Clock-Bar am Stadtplatz bei Bier, Wein, Cocktails UND mit köstlicher Gänseleber-Pastete ausklingen. (Ich hör schon so manchen „buuuh“-Ruf wegen der Gänseleber. Freunde, die Leberpastete war der Hammer! Kein schlechtes Gewissen und auch nicht Galle und Co konnten uns davon abhalten gleich zwei Portionen davon zu essen.)

Tag 6
Über die Heimreise gibt es nix spezielles zu berichten, ausser, dass wir uns gleich nach der Grenze die obligatorische warme Leberkäs-Semmel holten. Das hat schon Tradition, wenn wir nach Österreich zurück kommen. Auf den letzten Kilometern sind wir grade noch dem Regen entkommen. Bock rein in die Garage und schon platschte das Wasser vom Himmel.

Schön war´s in der Slowakei. Gut, dass wir in diese Richtung gefahren sind.

Make life a ride.
Bis bald auf unserer nächsten Tour – zu den nächsten Pässen
Ami + Pi + Der Bock

Pässemarathon 2021 – unsere bereits erreichten Zielpunkte

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2 Gedanken zu „Die Slowakei entdecken – Pässemarathon 2021

  1. Elisabeth

    Da bin ich wieder einmal fort gekommen – zwar nur virtuell – aber immerhin geistig ein wenig weg! – DANKE euch sehr für die tollen Beschreibungen – ich hoffe, dass ich dies dann alles einmal bei einer Slowakeireise ansehen werde!
    Freue mich schon auf Eure nächsten „Pässe“

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  2. Bine

    wow – da habt ihr wieder viel erlebt!! Danke, dass du das alles immer so teilst – so komm ich auch ein bisschen herum ;-). Freu mich schon auf eure nächste Tour!

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