Das Licht des Südens

Wo soll ich nur anfangen? Es sind schon so viele Eindrücke, die wir seit unserer Ankunft in Frankreich gesammelt haben. Zuerst war alles so weit weg und ich hatte gar keine Erwartungen und Vorstellungen zu diesem Teil der Reise.

Pi hatte sich alle Routen ausgedacht und mit den französischen Zielpässen abgestimmt.  Ich wollte nur nach Arles, nach Avignon und nach Lyon, weil ich dort eine Freundin nach vielen Jahren wiedersehen möchte. 

Am Besten, ich fang mal mit unserer Ankunft in Frankreich an. Die nächtliche Überfahrt von Sardinien aus war halbwegs ruhig und somit konnten wir ausgeruht gleich am Morgen los starten. Die morgendliche Rush-Hour in Marseille wurde weiträumig umfahren. Mit einer kleinen Fähre ging es über die große Rhone und schon landeten wir in der Camargue. Bald wurden die ersten Flamingos gesichtet, nur leider im Vorbeifahren. Kein Fotostopp! Meine Befürchtungen, keine mehr zu sehen verstärkten sich, als wir bei der großflächigen rosa leuchtenden Saline du Giraud keinen einzigen Flamingo mehr erblickten. Ich hatte gelesen, dass die Vögel sich meist nur vormittags in den Marschen zeigen. Das wäre natürlich schade, denn die Flamingos gehören zur Camargue wie die weißen Pferde und die schwarzen Stiere. Die haben wir gesehen. Pi war schon vor vielen Jahren mit einem Freund in der Camargue in Les-Saintes-Maries-de-la-Mer. Schon damals spazierte er am Kirchendach herum und ließ die Stimmung des fast spanisch anmutenden Ortes auf sich wirken. Der Abstecher hatte sich gelohnt. Die Kirche Saintes Maries ist eine alte Seefahrerkirche, die zwei Marien geweiht ist. Marie Jacobe und Marie Salome kamen hier im 9. Jahrhundert an und verbreiteten das Evangelium. Zu Beginn der Christianisierung war die Rolle der Frau in der Kirche scheinbar eine liberalere. Bemerkenswert ist noch die Statue der Heiligen Sara in der Krypta der Kirche. Jährlich pilgern viele Zigeuner zur Verehrung ihrer Patronin hier her nach Südfrankreich. Wir waren schon ganzen Tag unterwegs, also sollten wir uns langsam auf den Weg nach Arles machen, wo wir uns mitten in der Stadt eine hübsche Ferienwohnung für ein paar Tage gemietet hatten. Wieder vorbei an weißen Pferden und schwarzen Stieren ging es landeinwärts. Und zum Glück stelzten auch Flamingos wieder auf den flachen Wasserflächen neben der Straße herum. Große Erleichterung für den Bock-Chef, denn er hatte schon das Gemecker befürchtet, weil er am Morgen nicht stehen geblieben war. 

Alle Kulturfreunde bringen mit dem Begriff „Licht des Süden“ sicherlich Vincent van Gogh in Arles in Verbindung. Er wollte hier eine Künstlervereinigung gründen, damals leider ohne Erfolg. Heute gibt es die Fondation Vincent van Gogh, eine Art „Artist in Residence“, die sich der Forschung und Van Goghs Werk widmet. Derzeit gab es eine Ausstellung von Laura Owens, einer amerikanischen Künstlerin, die sich schon lange für van Gogh interessiert und speziell für diese Ausstellung ein gigantisches Kunstwerk geschaffen hat. Alle Ausstellungsräume, die insgesamt acht Original-Gemälde des Künstler präsentierten, waren mit einer bunten Tapete ausgekleidet. Dafür hatte sie einen Tapeten- und Dekor-Musterkatalog der Designerin Winifried Howe, aus dem Jahr 1920 erstanden und umgearbeitet. Diese Künstlerin kam wie van Gogh zu Lebzeiten nie zur Berühmtheit. Die Idee der Raumgestaltung war, dass van Gogh oft bei seinen Interieurdarstellungen bunte Tapeten malte. Zuerst konnte ich mir das nicht recht vorstellen, aber wenn man so mitten in den Räumen umgeben von den bunten Wänden mit so vielen kleinen Details steht und die original Van Goghs drauf hängen sieht, wird das zu einem harmonischem Ganzen. Wirklich sehr beindruckend, was Laura Owens hier geschaffen hat. 

Wir hatten uns für Arles entscheiden, weil es kein ganz so großer touristisch herausgeputzter Ort ist. Im Zentrum sind noch zwei antiken Theater zu sehen. In dem Amphitheater werden sogar heute noch unblutige Stierkämpfe durchgeführt. Dabei sind die Stiere die gefeierten Sieger. Diese kulturellen Veranstaltungen haben hier lange Tradition. Aber schlendern wir weiter durch Arles. Die schmalen Gassen mit den Häusern mit den typischen Holzfensterläden wirkten, als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Auf den Plätzen gibt es zahlreiche Bars, Cafés und Restaurants, die sich in den Abendstunden zu füllten. Die Franzosen lieben ja bekanntlich gutes Essen und guten Wein. Unser Favorit waren die gegrillten Messerscheidenmuscheln – eine kulinarischer Hochgenuss. Unser Vermieter hatte uns noch den Besuch des Marktes am Samstag empfohlen. Der Wochenmarkt in Arles ist riesig, angeblich der größte in Frankreich. Ich glaube, dort bekommt man neben Lebensmittel so ziemlich alles, was man für den Hausstand braucht. Sogar lebende Ziegen und Hunde kann man dort kaufen. Für den Musikgenuss sorgten Straßenkünstler. Schade, dass es solche Märkte bei uns nicht mehr gibt. Die Tage in Arles waren sehr erholsam und entspannt, kein großes Programm einfach in das französische Leben rein schnuppern. 

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