Herbstrunden im Trentino

Der Herbst hat die Laubwälder in kräftige Gelb- und Rottöne getaucht. Die Temperaturen sind tagsüber noch im akzeptablen Bereich, vor allem wenn wir unsere mitgebrachte Winterausrüstung Schicht um Schicht an- oder auszogen, je nach Temperatur. Und die dicken Handschuhe gehörten jetzt fix immer ins Gepäck. 

Vorsichtig über den Passo Brocon
Der Abstecher war zwar nicht fix geplant, aber der sonnige Tag war zu verlockend, um die wunderbar 45 km lange schön ausgebaute kurvige Straße auf den Passo Brocon auf 1.616 m rauf zu wedeln. Es ist trügerisch, wenn die Sonne so durch die Bäume blinzelt und man sich den Berge hoch schraubt. Höchste Vorsicht ist bei Fahren angebracht, denn in schattigen Kurven kann es trotzdem schon glatt sein. Wir hatten so eine Situation. Glücklicherweise hat uns ein vorausgefahrener Autofahrer durch Winken und ein Pannendreieck rechtzeitig gewarnt, weil ein Auto auf der Eisplatte hinter der Kurve ins Schleudern gekommen war. Auch der Lenker des Unfallautos hatte viel Glück, dass er auf der hangseitigen Böschung hängen geblieben war und sich nicht überschlagen hatte. Auf der Passhöhe haben alle oben angekommen Motorradfahrer mal tief durchgeatmet, denn das hätte ohne die Warnung ins Auge gehen können. 

Mit Sommerlaune über den Monte Baldo
Bei dieser Tour ging es südwärts mit einem kleinen Schlenkerer zu der Einsiedelei San Columbano, die in einer Talenge bei Trambileno direkt auf einem Felsvorsprung erbaut wurde. Die ersten Aufzeichnungen deuten bereits 753 n.Chr. auf eine Besiedelung hin. Glaubt man der Gründungslegende, so gab es hier einen Drachen, der kleine Mädchen verspeiste, die im unterhalb der Kirche vorbei fließenden Bach Leno getauft wurden. Der Heilige war in jungen Jahren ein Ritter und hat diesen Drachen getötet. Warum er sich dann hier als Eremit zurück gezogen hat, bleibt bei der Erzählung offen. Wir könnten die Geschichte ja fertig schreiben. Also bitte um eure Vorschläge!

Bei der Rundfahrt war der Monte Baldo, ein 30 km langer  Bergrücken am Ostufer des Gardasees, mit einer Schartenhöhe von 1.950m auch am Programm. Den Berg sollte man nicht auslassen, wenn man hier in der Gegend ist. Schön schwingen sich die Kurven auf einer nicht all zu breiten Straße hoch. Man merkte schon die Gardasee-Nähe, denn das Verkehrsaufkommen der Fahrzeuge mit deutschem Kennzeichen nahm erheblich zu und natürlich mischte sich ein dickes fettes Wohnmobil, das gleich die ganze Straßenbreite brauchte unter die wackeren Bergfahrer. Die Ausblicke auf den See und ins Hinterland waren grandios. 

Beim Abstieg auf der See-Seite wehte uns eine leicht sommerliche mediterrane Brise entgegen. Bei der kleinen Pause in Malcesine am Gardasee schlenderten wir durch die engen Gassen mit den Souveniergeschäften und lauschten den plätschernden Welle von den anlandenden Booten im Hafen. Für uns war es eine typisch italienische Atmosphäre, ein touristisches Gewusel, gestenreiche Gespräche der Einheimischen, alte Häuser, glitzerndes Wasser, Sonne und blauer Himmel. Urlaubsstimmung pur!

Die Rennstrecke über den Monte Bondone
Wenn man für mehrere Tage ein Basecamp hat, fährt man meistens die ersten Kilometer die gleichen Strecken los bis man eine andere Richtung einschlägt. Das riesige Castello di Pergine, das nur wenige Kilometer vor Trient auf einem Hügel liegt, hatten wir schön öfter von der Ferne gesehen. Diesmal fuhren wir nicht vorbei. Die imposante mittelalterliche Burg gehörte während der Herrschaft von Margarethe Maultasch und später von Maximilian I., den Tiroler Fürsten. 1531 ging sie in den Besitz des Trentiner Fürstbischofs über, eine wechselhafte Geschichte. Seit 1900 kümmert sich eine Gesellschaft um den Bau, der heute als Hotel und Veranstaltungszentrum genutzt wird. Nachdem schon Saisonschluss war, lag das Hotel bereits im Dornröschenschlaf, so dass wir nur die Skulpturenausstellung „Torri“ (Türme) von Pietro Weber im äußeren Burghof anschauen konnten. 

Scheinbar war Entdeckung angesagt. Eine Burg, noch eine Skulpturenschau hatten wir schon. Ich war schon gespannt auf die nächste Bergstrecke. Der Monte Bondone ist der Hausberg von Trient und liegt westlich der Stadt. Auch er gehört zur Gebirgsgruppe der Gardaseeberge. Auf einer Strecke von 17,3 km mit 140 Kurven  findet im Juli hier jährlich das Autorennen Trento-Bondone statt. Es ist die längste Bergrennstrecke Europas. Den Gummiabrieb von den Bremsmanövern konnte man in den Kurven noch immer gut sehen. Nach einer Pause im Vorjahr wurde heuer wieder das Rennen für die Motorsportfreunde ausgetragen. Wir sind natürlich kein Rennen gefahren. So ziemlich alleine unterwegs, hatten wir auch keine Konkurrenz an dem Tag, mit der wir uns messen hätten können :-). Oder vielleicht waren wir so schnell, dass uns keiner eingeholt hat? *grgrgr* Auf alle Fälle, die 140 Kehren bis auf eine Höhe von 1.650m gingen ganz schön rein. Das war wie bergauf Schi fahren. Von dort ging es weiter zum Viote-Hochplateau, wo uns zwei merkwürdige Objekte einbremsen ließen. Die Landartskulptur „Der Bär mit dem Koffer“ und die spiegelnde silberne Halbkugel der Terrazza delle Stelle, ein Observatorium, hatten wir hier nicht erwartet. Nachdem wir alles gründlich inspiziert hatten, pilgerten wir über einen Schleichweg nach Levico Terme zurück, denn in wenigen Tagen  müssen auch wir unsere Koffer packen, wie der Bär. 😦

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