Die Wiege Rumäniens – Iasi

Donaudelta ade! Wir ziehen weiter. Vorerst ging es einige Kilometer entlang der ukrainischen Grenze. Noch ein Mal überquerten wir die Donau mit einer Fähre bei Galati. Natürlich blieben wir auf der rumänischen Seite bei unserer Fahrt in die Region Moldau.

Dann wurde die Gegend etwas hügeliger, grüner und kurvenreicher. Das war eine recht willkommene Abwechslung, nach den großen trockenen ebenen Flächen. Meistens blieb die Gegend beschaulich, daher durfte ein kleiner abenteuerlicher Abstecher nicht fehlen.

Unser nächstes Ziel war Iasi, die erste Hauptstadt vom 1859 neu gegründeten Fürstentum Rumänien. Schon bald 1862 wurde sie von Bukarest abgelöst. Eine kurzzeitige provisorische Wiederbelebung als Hauptstadt gab es während des Ersten Weltkrieges 1916-18.

Ehrlich gesagt, bis zu den Recherchen für diese Reise, hatte ich noch nie was von Iasi gehört. Ja, vielleicht bin ich eine Banausin, aber der Osten Europas und alles was noch weiter in diese Richtung geht, war immer sehr weit weg. Durch eine rumänische Arbeitskollegin wurde das Interesse geweckt, nach Rumänien zu kommen. 2015 waren wir dann das erste Mal mit dem Motorrad da, aus heutiger Sicht nur eine Schnuppertour, denn das Land ist so riesig groß. Es hat uns so gefallen, so dass klar war, dass wir wieder kommen werden. 2017 und 2018 trieben wir uns dann heftigst offroadig mit dem Bock in den Karpaten herum. Da war nix mit Besichtigungen. Und diesmal sind die großen Städte dran und damit kam unweigerlich auch Iasi, die viertgrößte Stadt Rumäniens, auf den Plan. 

Die Universitätsstadt glänzt mit wunderschönen historischen Gebäuden, die praktisch an einem Boulevard aufgefädelt sind. Automatisch geht man auf den mächtigen Kulturpalast zu, in dem sich vier Museen befinden. Erstmalig konnten wir einen Seniorenbonus nutzen und ein ermäßigtes Ticket für alle Sammlungen kaufen. In der Bildergalerie wird ein interessantes Projekt für Seh- und Hörbehinderte Menschen erprobt. Bilder werden quasi in einen Braille-Code für blinde Menschen übertragen und für die Gehörlosen läuft ein Monitor mit einem Moderator in Gebärdensprache. Im Museum für technische Erfindungen erstaunte uns ein Kasten mit sechs Instrumenten, ein Vorläufer der Jukebox. In der Ethnographischen Abteilung begeisterten die reich bestickten folkloristischen Kostüme, Teppiche und ein Osmanisches Zelt. Das Zelt ist der Beweis, dass es das neuerdings moderne Glamping (Luxus-Camping) schon ewig gibt.  

Am Platz vor dem Kulturpalast startete die 79. Iasi Auto-Rallye. Schnell konnten wir einen Blick in die Rennställe der Boliden werfen. 

Iasi ist auch reich an Kirchen. Die wichtigste ist sicher die gigantische Metropoliten-Kirche. Wir waren ganz schlau und haben uns bei der langen Schlange beim hinteren seitlichen Eingang angestellt. Nur langsam näherten wir uns dem Eingang und dann drinnen ging auch nichts weiter. Aber immerhin wir waren schon im Kirchenschiff und konnten uns einen ersten Eindruck der prächtigen Ausstattung verschaffen. Schau an, da kamen doch tatsächlich Leute beim Hauptportal rein, ohne anstellen und warten. Es stellte sich heraus, dass wir bei den besonders Gläubigen eingereiht waren, jenen, die den Sarkophag der Heiligen XY berühren und küssen wollen, der persönliche Segen des orthodoxen Priesters inklusive. Das musste nicht sein, daher rasch durch die Absperrung, ein Rundgang noch durch die Kirche und auf zum National-Theater. 

Das Tor war offen. Niemand da? Der einzige Sicherheitsbeamte tätigte schnell einen Anruf, ob es gestattet sein, das Theater zu besichtigen? Ja, es geht! Nun den, dann schauten wir uns Mal alleine um. Die Tür zum Parkett war offen. Die Bühnenarbeiter liessen sich nicht stören. Es dürfte hier üblich sein, dass einfach Leute tagsüber rein kommen. Die Treppen noch hoch zu den Logen und in die Pausenfoyers, das Theater könnte auch in Wien sein, alles wirkt so bekannt. Das ist auch kein Wunder, denn die Theaterbauer Helmer & Fellner sind ja keine Unbekannten in der Heimatstadt – Ronacher, Theater an der Wien, Wiener Konzerthaus, Akademie Theater. Erst beim raus gehen stolperten wir quasi über die Kassendame, die ganz eschofiert 5 Lei pro Person verlangte. Und wir haben uns schon gewundert, dass die Besichtigung so easy cheesy in dem Theater abläuft.

Hier noch ein paar Impressionen von Iasi. Echt eine tolle Stadt.

Wer zum Bier des Tages möchte muss hier klicken.

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2 Gedanken zu „Die Wiege Rumäniens – Iasi

  1. Bine

    Echt toll, was ihr alles wieder seht und erkundet – und was ich dadurch dazu lerne. Ich wusste das mit Iasi übrigens auch nicht ;-). Und schön, dass ihr auch rumänisches Graffiti besichtigt :-D. Wünsche euch noch eine schöne Reise und eine schöne Zeit. Bei uns zieht jetzt der Herbst ins Land (heute erstmals totaler Morgen-Nebel).

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