Von Oradea zum Eisernen Tor

In den letzten neun Tage hatten wir einiges vor. Für die Kunst- und KulturliebhaberInnen im Autobus war eine interessante Besichtigungstour zusammengestellt worden, an der die MotorradfahrerInnen großteils auch teilnahmen. Dafür waren die Fahrstrecken exakt abgestimmt. Und gefahren wurde reichlich.

Von den Sehenswürdigkeiten hatten wir schon einiges bei unseren vergangenen Touren gesehen. Diesmal war es durch die Kombination Straßentour und Besichtigungen nochmals spannender. Dadurch, dass wir insgesamt eine kleine Gruppe waren, konnte vieles individueller gestaltet werden. Die Ursprünglichkeit, die vielen Kulturschätze, die traumhaften Fahrstrecken für die MotorradfahreInnen, das gute Essen und vor allem die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen, denen wir begegneten, zeichnete ein sehr einladendes und sympathisches Bild von diesem großen Land Rumänien. Den Mitreisenden Rumänien zu zeigen, wie es ist, war mir wichtig und ich bin mir sicher, dass der/die eine oder andere wieder kommen werden.

Was stand alles am Programm: Oradea, Zimbor, Cluj-Napoca/Klausenburg, Transrarau, Kloster Moldovita, Kloster Voronet, Bicaz-Schlucht, Brasov/Kronstadt, Schloss Peles, Dracula-Schloss Bran, Curtea de Arges, Transfagarasan, Sibiu/Hermannstadt, Sighisoara/Schäßburg, Transalpina, Baile Herculane, Eisernes Tor an der Donau. Die BusfahrerInnen hatten noch ein paar andere Ziele dabei. Von den oben genannten Besichtigungspunkten, war jeder für sich beeindruckend. Es gab eine Menge ausführliche und aufschlussreiche Geschichten.

Besonders sei hier Schwester Tatiana vom Kloster Moldovita erwähnt, die uns im Eilzugstempo bewaffnet mit einem Laserpointer eindringlich die Bibelgeschichte an der bemalte Kirchenfassade erklärte. „Schleicherillos“ hatten keine Chance. „Wir sind auf keinem Begräbnis, also kommen Sie rasch weiter.“, hat sie mit ihrer resoluten Stimme gesagt.

Bei der Stadtführung in Brasov lernten wir den Küster Horst von der Evangelischen Kirchenburg Zeiden kennen, wo wir abends zum Essen im Kirchenhof eingeladen waren. Der Mann ist ein Segen für die Erhaltung der Geschichte und der Kultur der Siebenbürger Sachsen. Der Abend war wirklich ein ganz besonderes Erlebnis. Zuerst gab es das weltbeste Kesselgulasch aus der Schulkantine, eingelegte Salzguken, selbstgebrannten Schnaps, Obst von den Bäumen rund herum, ein Ständchen auf der Zieharmonika und eine persönliche Führung im mächtigen Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert.

Nach dem Mittagessen in Zimbor am Dorfplatz vor der Schule, wurden die BusfahrerInnen in einem privaten Garten eingeladen, Obst und Gemüse zu ernten für das Picknick, das für den nächsten Tag geplant war. Individueller geht schon gar nicht mehr! Fleißig haben sie alles zusammen getragen, damit ja niemand hungrig mit dem Motorrad davon fuhr.

Mich hat das Projekt in Baile Herculane beeindruckt. Durch meine Tätigkeit beim Bundesdenkmalamt in jungen Jahren weiß ich, wie wichtig die Erhaltung von Kulturgütern für ein Land ist. Zwei junge Architektinnen versuchen die Neptunbäder in Baile Herculane zu retten. Die Bausubstanz ist in einem desaströsem Zustand, die Gelder fehlen. Nur teilweise konnten schon Abdeckungen zur Sicherung der Substanz errichtet werden. Es ist den beiden schon gelungen, dass das Bauwerk auf die Europa Nostra Liste der meist gefährdetsten Denkmäler Europas gesetzt wird. Mit viel Herzblut und Enthusiasmus betreiben sie das Projekt. Hoffentlich gelingt ihnen bald der Durchbruch und sie finden einen finanzkräftigen Sponsor bevor ein Bagger kommt, alles platt macht und einen Wohnblock oder ein Hotel hin klotzt. Derzeit findet man das Herkulesbad leider auch unter: Lost Places Rumänien. Spenden sind willkommen Herculane-Projekt. Jeder Lei/Euro zählt.

Was natürlich für die MotorradfahrerInnen wichtig war – viel fahren. Dafür hatten alle die unspannende lange Fahrt durch die Ungarische Tiefebene auf sich genommen. Und dann rauschten wir Kurve um Kurve auf den rumänischen Straßen durch´s Land. Die Straßen sind mittlerweile, abgesehen von dem einen oder anderen Schlagloch, in einem super Zustand. Auf der Transfagarasan wurden uns Bären versprochen und tatsächlich haben wir eine Bärenfamilie direkt auf der Straße angetroffen. Jetzt beim 4. Anlauf auf der 120 km langen Transalpina hat die Fernsicht am Urdele Pass auf 2145 m auch geklappt, denn bei den ersten drei Versuchen tasteten wir uns im dichtesten Nebel Kurve um Kurve rauf und wieder runter. Ein Mal hatten wir sogar einen Schneeschauer. Aber diesmal gab es perfekte Fernsicht. Der Bock-Chef und der Kläuserich nutzte das Stündchen Pause da oben für eine kurze Offroad-Einlage. Plötzlich waren sie ein Pünktchen in der Landschaft. Und ich hab zwischenzeitlich unseren Sticker auf die Tafel gepickt. Die fast 1800 km mit der Motorrad-Truppe haben echt viel Spass gemacht. Danke euch allen.

Verköstigt wurden wir natürlich auch hervorragend. Ein besonderes Highlight war die Einladung zum Essen bei einer Familie in einem Dorf. Der Bestand des Ortes ist Prinz Charles (König Charles III) zu verdanken, der Schirmherr des Mihai-Eminescu-Trusts (MET) ist. Die Stiftung kümmert sich in Siebenbürgen, wie Transsilvanien im Deutschen heißt, um den Erhalt historisch bedeutsamer Ortschaften.

Unsere letzten gemeinsamen Kilometer machten wir mit den Booten auf der Donau beim Eisernen Tor, Besichtigung einer Schmugglerhöhle inklusive. Und dann trennten sich unsere Wege. Für die Kulturtruppe startete nochmals der Autobus. Die MotorradfarerInnen trafen sie erste wieder in Timisoara. Danach traten alle die Heimreise nach Österreich an. Wir machten uns auf in Richtung Bulgarien, wo unsere Reise weiter geht.

Wir haben so viel gesehen, dass es schwer war, eine Auswahl an Fotos zusammen zu stellen. Hier noch ein paar Impressionen:

Es waren einfach tolle Tage mit euch allen in Rumänien. Kunst- und Kulturgenuss mit dem Autobus und mit den Motorrädern ist eine super Kombination. Danke euch allen für die schöne Zeit.

Gute Fahrt

Wer zum Bier des Tages möchte muss hier klicken.

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6 Gedanken zu „Von Oradea zum Eisernen Tor

  1. Brigitte BALOGH

    Danke liebe Annemarie! Danke lieber Stefan!
    Es war eine beeindruckende Reise in ein für mich fast unbekanntes Land. Es waren viele Highlights in diesen 8 Tagen Rumänien Reise mit vielen tollen Guides und Köchen und vor allem gute organisatorische Planung.
    Weiterhin gute Fahrt!

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