Watteburg, baden wie Kleopatra und Reichtum durch purpurne Stoffe

Leider hinke ich mit meinen Beiträgen hinten nach, da es in den letzten Tagen kein brauchbares Internet gab. Ausserdem waren die Eindrücke der besuchten Stätten so gewaltig, dass ich persönlich auch ein bisschen Zeit brauchte, um sie zu erfassen. Unvorstellbar! Wir bewegen uns hier in der Türkei live in den Geschichtsbüchern.

Aber wie kam ich zu der Überschrift? Dafür gibt es mehrere Anhaltspunkte.

Die Watteburg

Der erste Begriff ist einfach erklärt. Wir waren in Pamukkale und das heisst aus dem Türkischen übersetzt „Baumwollburg oder Watteburg“. Wenn man davor steht, könnte man schon an so große Wattebauschen erinnert werden. Die weißen Sinterterrassen sind für viele Türkei-Reisende ein absoluter Hotspot, nicht nur wegen der heißen Quellen. Der Massentourismus hatte den Badebecken auf den Terrassen in den letzten Jahren ziemlich zugesetzt. Daher gab es eine vorübergehende Sperre und mit anderen Maßnahmen konnte gegen gesteuert werden. Hotels im Areal wurden abgerissen, das Wasser wird nicht mehr abgeleitet, sondern bleibt im Gelände. Natürlich litt der Wasserspiegel der Quellen auch in Pamukkale heuer unter dem heissen Sommer und dem trockenen Herbst. Es waren nur wenige Becken mit Thermalwasser gefüllt. Die Besucher dürfen nur noch barfuß über die weißen Formationen gehen bzw. nur noch durch einige „Schaubecken“ stapfen. Die raue Oberfläche fühlte sich auf den Fußsohlen manchmal sogar ziemlich stachelig an. Im unteren Geländebereich war das Wasser kalt und je weiter man zum Ursprung kam, umso wärmer wurde es. Insgesamt umfasst das Gelände an die 2 Quadratkilometer. Ganz schön groß. Daher ist der weiße Hang weit hin sichtbar und leuchtet in der Sonne. Wenn man schon in der Nähe ist, muss man Pamukkale einfach gesehen habe.

Die Sinterterrassen waren aber nur ein Höhepunkt in Pamukkale. Auf dem Plateau oberhalb der Terrassen erstrecken sich die gigantischen Ausgrabungen der Ruinenstadt Hierapolis. Die Stadt war bereits in der Antike wegen der Quellen eine bekannte Gesundheitsinstitution. Theater, Portale, angedeutete Tempel, die Ruine der Philippus-Apostelkirche, Reste von Prunkbauten, Sarkophage aus der Nekropole und andere gut erhaltene Artefakte geben Aufschluss über die Pracht dieser Badestadt. Das Plutonion – Das Tor zur Unterwelt – fand ich besonders spannend. Aus einem Loch tritt hier seit Jahrtausenden Gas aus. Heute ist das Becken geflutet und man sieht noch die Gasbläschen aufsteigen. Das Areal durfte nur von Eunuchen zu speziellen Riten betreten werden. Stiere wurden vor das Loch geführt, wo sie dann klarerweise ohnmächtig wurden. Das Unterwelt-Spektakel wurde speziell für geläuterte Gläubige aufgeführt. Erstaunlich, dass es in der Geschichte immer wieder möglich war, durch Mysterien Menschen zu beeindrucken oder zu manipulieren.

Baden wie Kleopatra

Das ist ein weiterer Baustein in der Überschrift. In Hierapolis gab es natürlich eine Badelandschaft, die hübsch mit Säulen ausgestaltet war. Der Überlieferung nach, kam Kleopatra in die Thermalstadt Hierapolis und hat hier Kurbäder genommen. Das Wasser ist bekanntlich gegen viele Leiden heilsam. Leider wurde durch ein Erdbeben die Architektur des Badehauses zerstört und die Säulen stürzten in das Becken. Das Becken wurde revitalisiert, die Säulen wurden dekorativ im Wasser belassen und noch heute kann man darin in 36-38 Grad warmen Wasser baden. Das Bad in Kleopatras Pools ließen wir uns natürlich nicht entgehen.

Reichtum durch purpurne Stoff

Unweit von Hierapolis und Pamukkale befand sich eine weiter gigantische antike Stadt Laodikea am Lykos. 2003 wurde mit der Wiederinstandsetzung begonnen. Wir durchschritten die mit Marmor bedeckte und mit Säulen gefasste Prachtstraße. Die Tempelanlagen mussten unglaublich schön gewesen sein. Im Theater hatten wir das Glück die Akustik live zu erleben. Ein Georgischer Jugendchor nutze die Gelegenheit und gab ein kurzes Privatkonzert, ein Ohrenschmaus. Aber kurz zurück zu Laodikea! Die Gegend war ein wichtiger Baumwollproduzent und die heiligen Thermalquellen von Pamukkale sorgten für eine zahlreiche Pilgerschar. Mischt man das Wasser mit einer roten Wurzel, so konnte man schwarzen Stoff purpurrot färben. Laodikea wurde so quasi zur Purpurstofffabrik der Römer. Das Färben mit der syrischen Purpurschnecke hatte eine Alternative gefunden. Die neue Methode verhalf der Stadt zu großem Reichtum. Noch vertiefend zur Geschichte von Laodikea: es wird sogar im Neuen Testament im Kolosserbrief und in den Johannesapokalypse, als Ort einer christlichen Gemeinde erwähnt.

Eigentlich hatten wir nur die weißen Sinterterrassen in Pamukkale erwartet. Die Wiederholungsstunden des Geschichtsunterrichtes gab es gratis dazu. Ich kann hier keine großartige historische Abhandlung schreiben und das möchte ich auch nicht. Ihr könnte bitte in den verlinkten Passagen alles selber nachlesen, wenn ihr möchtet.

Wir hatten es gut und wohnten in Pamukkale in einem privaten Haus, wo wir großzügig von den Gastgebern mit Obst aus dem Garten und Suppe versorgt wurden. Der Gockelhahn machte dem Muezzin Konkurrenz und weckte uns pünktlich bei Sonnenaufgang. Ein schönes ruhiges Plätzchen unweit der Sehenswürdigkeiten.

Wer zum Bier des Tages möchte muss hier klicken.

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3 Gedanken zu „Watteburg, baden wie Kleopatra und Reichtum durch purpurne Stoffe

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