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13. Tag: Shkodra (Raki rruschi-Tag)

Eingeregnet in Shkodra!  Wirklich keine Lust vor die Haustüre zu gehen. Ausserdem war das gestrige Theth-Abenteuer Anstrengung und Aufregung genug. Wenn es aufhört, könnten wir, wenn wir wollten, Shkodra besichtigen. Es hört aber nicht auf! Das Hotel Tradita ist so gemütlich, da hält man so einen Regen- und Ruhetag recht gut aus. In der Gaststube brennt immer ein offenes Feuer und der „Qingj ne hell“ (Lamm am Spieß) brutzelt auch schon vor sich dahin. So wird der heute Tag zum „Raki rruschi-Tag“ erklärt. Wir geben uns ganz albanisch und kippen ein paar Raki rruschis (Schnaps). Prost!

12. Tag: Tirana – Shkodra – Theth – Shkodra

Das Wetter macht uns große Sorgen, denn eigentlich sind wir in das Land der Skipedaren gekommen, um eine der letzten wirklichen Offroadstraßen  Europas fahren zu können. Es naht aber eine tagelange Schlechtwetterfront und die Strecke, die eh schon herausfordernd genug sein wird, bei Nässe zu fahren ist sicherlich gefährlich. Daher scheint der Montag, der einzige vernünftige Tag dafür zu sein. Wir brechen früh am Morgen unsere Zelte in Tirana ab und rauschen auf der Schnellstraße nach Shkodra. Die Seitenkoffer und jegliches unnötiges Gepäck laden wir bereits im Hotel ab und starten gegen 11.00 in Richtung Südauffahrt nach Theth. Die ersten 40 km hinter Shkodra sind asphaltiert und dann beginnt laut Roadbook die Schotterpiste.

Tatsächlich, nur Schotterpiste ist leicht untertrieben! Viele Passagen sind sehr steinig und felsig, die nur für den Fahrer alleine zu überwinden sind. Die Sozia ist dann zufuß on Tour, Berg auf und über Stock und über Steine. Wo’s wieder geht höppelt das Dreier-Gespann (Bock = BMW Adventure, Bockchef = Pi und Bocksozia = Ami) gemeinsam Meter für Meter voran. 50 Kilometer liegen vor uns bis Theth und wir müssen es schaffen vor Einbruch der Dunkelheit zumindest auf der asphaltierten Pass-Strasse 15 Kilometer nach Theth anzukommen.  Der Bock ist schon 3x umgefallen und wir haben ihn wieder aufgestellt. Gott sein Dank fährt er noch und es ist nichts passiert. Endlich und mit einer gewaltigen Verspätung kommen wir an den mitten im Nirwana gelegenen zwei Blechhütten-Kaffeebars an. Und von da sind es nochmals 16 endlose Kilometer bis Theth. Ein Motorradfahrer aus Scheibbs, ein Jeep aus Mürzzuchlag, ein schweizer Ehepaar mit einem Geländewagen begegnen uns. Dann stoßen wir auf eine Gruppe völlig erschöpfte tschechische  Motorradfahrer, die die leichtere Nordstrecke angefahren sind.  Kein gutes Zeichen! Es ist mittlerweile schon 17:30 und wir haben noch 30 Kilometer bis zur Pass-Straße vor uns. Der Himmel wird immer dunkler und es beginnt stark zu regnen. Eh schon nass vom Schweiß sind wir jetzt auch noch waschelnass vom starken Regen. Die Fahrt wird immer grimmiger. Richtige kleine Bäche kommen uns auf dem Weg entgegen. So manche Kurve wird zur Flußdurchfurtung, weil das Wasser nur so abrinnen kann. Um 18:30 erreichen wir endlich Theth. Von der Schönheit der Landschaft bekommen wir nichts mit. Wir haben auch keinen Kopf mehr dafür. Wir müssen weiter. Noch 15 Kilometer bis zur Pass-Straße. Die Strecke wäre etwas besser, durch den massiven Regen merkt man davon aber nichts. Es ist schon finster und jeder Meter ist beschwerlich. Pi vollbringt eine Höchstleistung. Endlich kommt die asphaltierte Pass-Straße. Wir ziehen uns noch schnell die Windstopperjacken unter den triefend nassen Jacken an. Die Temperatur ist gesunken. Vorsichtig, wegen der nassen kurvigen Fahrbahn, geht´s die letzten 40 Kilometer nach Shkodra. In der Ferne sieht man Blitze und Wetterleuchten. Der Regen wird wieder stärker. Noch 10 Kilometer. Der Regen peitscht jetzt begleitet von einem Orkan daher. Das Motorrad ist schwer in der Spur zu halten. Bei einer Tankstelle bleiben wir stehen. Zitternd am ganzen Körper vor Kälte und von den Anstrengungen stehen wir triefend nass im Häuschen des Tankwarts, der uns nur mitleidig anschaut. Der Wind legt sich, wir fahren weiter zum Hotel. Die Leute warten auf uns, weil wir ja unser Gepäck schon gebracht hatten. Es ist 22:30 Uhr und unglaublich abenteuerliche 140 Kilometer später.

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Pi möchte die nächsten zwei Tage auf kein Motorrad steigen. Ich definitiv auch nicht! Die Reise nach Theth hat uns alles abverlangt. Respekt für die Höchstleistung und Danke Pi, dass du uns gut zurück gebracht hast.

11. Tag: Elbasan – Tirana

Und weiter geht unser Fahrt durch Albanien. Heute liegt nur eine kurze Strecke über die alte Nationalstraße vor uns, weil wir um 15.00 in Tirana unseren gebuchten City-Guide treffen wollen. Aber vorher gibt es noch einen kleinen Abstecher mit einem Hindernis (Straße ist aus) zur kleinen Burg Petrela, die wie ein Adlerhorst auf einem Felsen, südlich von Tirana liegt. Von da oben hat man auch schon einen schönen Blick auf die Hauptstadt Albaniens.

Pünktlich wie vereinbart sitzen wir im Garten vor dem Hotel und warten, und warten, und warten! Niemand kommt, um uns für die Tour abzuholen. Wir rufen an und erfahren, dass es das erste Mal ist, dass der Führer nicht pünktlich kommt und es muss was passiert sein (Wer es glaubt wird seelig und wer es nicht glaubt, kommt auch in den Himmel)! So machen wir uns halt selbständig auf den Weg und versuchen uns zu orientieren. Das Hotel liegt ja sehr zentrumsnahe beim Skenderbej-Platz. Vor der alten Moschee blättern wir in unserem Reiseführer und lesen nach, was es hier alles zu sehen gibt. In dem Moment spricht uns ein junger Mann an. Er beginnt in gutem Englisch was über den Platz zu erzählen. Er freut sich sichtlich, dass Touristen nach Albanien kommen. Es stellt sich heraus, dass Martin ein zertifizierter lokaler Guide für geführte City-Walks ist. Richtig, geraten! Wir haben ihn natürlich gleich angeheuert und schon waren wir unterwegs. Es war so spannend ihm zuzuhören und die zwei Stunden sind wie im Fluge vergangen. So ein Glück, dass wir Martin getroffen haben. Tirana ist eine interessante, junge, pulsierende und aufstrebende Stadt.

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Nach einem Drink im Taiwan-Center meldet sich so langsam der Hunger. Das Oda-Restaurant, ein kleines osmanisches Häuschen mit traditioneller albanischer Küche ist unser Ziel. Vor dem Lokal ist eine Menschenschlange angestellt. Wir reihen uns ein und warten, und warten, und warten.  Und wir haben es erwartet und bekommen einen Tisch. Muss schon sagen, das Warten hat sich gelohnt. Sooooooooooooooooo köstlich! In Polen würde man „schmatznego“ sagen.

10. Tag: Ohrid – Elbasan

Zurück im Land der Skipetaren. Wir haben die Route umgeplant, weil die bisher gewonnenen Erkenntnisse gezeigt haben, dass Landstraße (bei uns zuhause) nicht gleich Landstraße in Albanien ist. Der Reiseführer kündigt ab Maliq für 80 km eine gut befahrbare Schotterstraße bis Gramsh an. Und danach sollte zumindest ein Fleckerlteppich bis Elbasan weiter führen. Diese Etappe ist aber erst für Sonntag am Weg nach Tirana geplant. Wir sind darauf eingestellt, dass wir nur langsam voran kommen und in Gramsh nächtigen müssen. Mit Jause haben wir uns eingedeckt. Sogar eine albanische Hotelbuchungsplattform haben wir ausprobiert, hat super funktioniert. Booking.com hat in der „Weltmetropole“ Gramsh mitten im Land kein Hotel im Angebot. Gibt auch nur eines!

Also los geht´s. Aufbruch in Sveti Stefan. Jetzt können wir die Schönheit der Landschaft und die Blicke auf den Ohrid-See von der Uferstraße aus genießen. Bei der Hinfahrt hat uns der Regen ja ein ziemliches Schnippchen geschlagen. Wir reisen wieder ein ins Land der Skipetaren. Die Abzweigung in Maliq ist rasch erreicht. Kurz hinter der Stadt beginnt auch schon der Fleckerlteppich. Irgendwann kommen wir auf eine breite sehr gut in Stand gehaltene Schotterpiste. Hier wird auch am Samstag gearbeitet, denn mehrere Lastautos brausen in Höllentempo an uns vorbei. Hust, hust,…..!

Wir passieren die Abzweigung, die wir ursprünglich nach Berat geplant hatten. War schon gut so, dass wir uns umentschieden haben. Wenn sogar die Einheimischen ihr Auto hier am Straßenrand parken und mit dem Esel weiter reiten. Diese Wege kann man wirklich nur mit kleinen, leichten, geländegängigen Maschinen befahren. Irgendwann sind eben dem Bock (BMW GS 1200 Adventure) auch Grenzen gesetzt. Wir bleiben auf der Staubstraße, die immer besser wird bzw. in den Augen des Fahrers immer schlechter. Denn plötzlich befinden wir uns auf einer völlig neuen Straße, frisch asphaltiert und noch nicht offiziell eröffnet, der Wachposten winkt uns durch.  Garmin kennt den Straßenabschnitt noch gar nicht. Klar, weil die alte Straße unter Wasser ist. Wir fahren entlang vom neuen Devol-Stausee.

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Gramsh ist angeschrieben und auch schnell erreicht. Es ist Mittagszeit und was machen wir da den ganzen Rest des Tages? So beschliessen wir weiter nach Elbasan zu fahren. Laut Reiseführer gibt es da ein kleines historisches Altstadtviertel und gleich hinter der Stadtmauer ein schickes Hotel. Es ist auch ein Zimmer frei. Das Skampis Hotel ist entzückend und der Park mit den verschiedenen Terrassen, Restaurants und der mediteranen Bepflanzung wunderschön. Auch der Bock hat gleich neben den Palmen Quartier bezogen. Die Sehenswürdigkeiten – alte Moschee, Uhrturm, usw. –  sind rasch angesehen und so können wir das köstliche albanische Abendessen an diesem zauberhaften Plätz genießen.

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Was ich unbedingt noch erwähnen möchte, weil ich es einfach lustig finde und so ein bisschen das Flair wiedergeben soll. Es gibt auf der Burgmauer einen riesigen Lautsprecher, mit dem die ganze Anlage ganztägig beschallt wird. Am Nachmittag ist man musikalisch in Spanien – Juglio Iglesias in der Endlosschleife, abends gibt es albanische Pop-Musik und zum Frühstück sind wir in Italien – Adriano Celentano und Co.

Wer auch immer nach Elbasan kommt, unbedingt hier her ins Skampis kommen. Es ist einzigartig.

8. Tag: Gjirokastra – Sveti Stefan – Ohrid

Heute bleiben wir auf der Hauptverbindungsstraße von Gjirokastra nach Podgorica und dann weiter nach Mazedonien nach Sveti Stefan am Ohrid-See. Es geht ein paar Kilometer Richtung Norden bis zur Abzweigung nach Permet – ein Stück gut ausgebaute Straße, bis wir dann Richtung Süden weiter fahren. Wir überqueren die alte Brücke, die heute den Ziegen als Schattenspender dient. Wir haben gute 240 Kilometer vor uns. Wer uns kennt, eigentliche ein Klacks.

Hier in Albanien sind wir aber nach den ersten Erfahrungen schon etwas vorsichtiger geworden. Man weiß ja nie was sich hinter einer auf der Karte grau oder gelb eingezeichneten Straße verbirgt. Auf der geplanten Strecke haben wir gelbe und orange Straße und ein kleines Stück sogar eine rote Straße – wir sollten demnach gut vorankommen. Bei den Heißen Quellen in Benje Novosele ist der erste Stopp geplant. Mit angemessenem Tempo kommen wir am Fleckerlteppich (gelbe Straße) gut voran. Die Abzweigung ist ausnahmsweise gut beschildert. Viel Landschaft, ein kleiner Flußlauf, ein breites Flußbett und schon sehen wir die türkische Steinbrücke mit den zwei Wasserbecken, wo sich schon einige Badegäste tummeln. Es riecht leicht schwefelig. Hier entspringt eine natürliche Quelle, die schon seit Jahrhunderten von den Menschen als Heilquelle genutzt wird. Alles hier ist noch sehr urtümlich. Am Flußufer gibt es nur ein ganz kleines Lokal. Sonst nur Steine und Natur.

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Über den Gebirgsketten türmen sich schwarze Gewitterwolken auf und man hört schon den Donner rollen. Abwarten oder weiter Fahren?  Kurz abwarten und Kaffee trinken und dann doch weiter fahren – vielleicht sind wir ja schneller. Schaut auch so aus! Wir fahren auf der Hauptverbindungsstraße in Richtung Korce.  Die Straße schlängelt sich sehr kurvenreich entlang der Bergketten, der Straßenbelag ist „Offroad-Asphalt“, manche Passage dann wirklich Offroad , Straßenbegrenzung ist kaum vorhanden und wir bewegen uns meistens in einer Höhe von 1000 bis 1500 Höhenmetern. Aufpassen ist angesagt, wer weiß welches Hindernis hinter der nächsten Kurve lauert. Ein großer Vorteil, wir sind alleine unterwegs. Kein Verkehr! Wenn da mehr los wäre, wäre das echt kein Spaß. So aber schon!

Irgendwo müssen uns die Regenwolken dann doch überholt haben. Bei Borove bremsen wir uns bei der Kirche ein, es schüttet in Strömen. Wir haben erst ungefähr die Hälfte der Etappe. Letztendlich bleibt uns keine andere Wahl, der Himmel ist rund herum dunkelschwarz. Rein ins Regengewand und weiter. Um Korce sollte die Straße wirklich besser werden. Vor Korce war es dann eine Schlammpiste, wegen dem Regen und weil dort die neue Straße gebaut wird und alles Baustelle ist. Und nach Korce hat´s aus Schaffeln geschüttet. Waschelnass und dreckig wie Sau sind wir im pipifeinen 4* Hotel in Sveti Stefan am Ohrid-See eingeritten. Reine Fahrzeit 8 Stunden (Pausen schon abgezogen). Wirklich abenteuerlich. Ein hart verdientes Stiefelbier. Prost!

Ankunft bei Regen in Sveti Stefan am Ohrid-See

Ankunft bei Regen in Sveti Stefan am Ohrid-See