Wir sind wieder im Geschäft

Vier heisse und teilweise staubige „Arbeitstage“ liegen hinter uns. Die Punkte für 15 spanische Zielpunkte sind eingeholt.

Der Bock-Chef hat sich wirklich viel Mühe bei der Planung gemacht. Und so entstand eine gute Mischung aus schönen Fahrstrecken, interessante Entdeckungen und aussergewöhnliche Besichtigungen. Von Montserrat ging es südwärts in den Priorat, eine Weinbaugebiet in der Provinz Tarragon. Von dort fuhren wir zurück ins Hinterland von Barcelona und weiter in die Pyrenäen. Die Zielpunkte waren sehr abwechslungsreich. Die jeweiligen Anfahrtsrouten waren von ganz easy bis doch etwas dusty, höppelig und herausfordernd.

Landschaftlich sieht es im Priorat fast wie in der Region Alpes Maritim in Südfrankreichs aus, mit tiefe Schluchten und Hochplateaus, wo gelegentlich ein Dorf, eine Burgruine oder eine Kirche auf einem Hügel thront. Versteckt in den Tälern stößt man auf malerische Klosteranlagen. Einige Highlights möchte ich erwähnen, an denen man in dieser Region nicht vorbei fahren sollte.

Ein Zielpunkt war das Bergdorf Siurana, das schier uneinnehmbar 737m auf einem Kalkfelsen liegt. Der Ort mit der Burganlage gehörte lange zur Verteidigungslinie der Maueren in Katalonien, die bereits im 8. Jahrhundert so weit auf der iberischen Halbinsel vorgedrungen waren. Erst 1153 konnte Siurana zurückerobert werden.

Ein interessantes Bauwerk ist das Heiligtum „Mare de Deu de Montserrat“ in Montferri, einem kleinen unscheinbaren Ort. Der Architekt war Josep Maria Jujol, ein Schüler von Antoni Gaudi. Die Einflüsse des Lehrers sind unübersehbar. Finanzielle Probleme, der spanische Bürgerkrieg und ein Einschurz des Rohbaus durch einen Windstoß verzögerten die Bauzeit, bis die Kirche 1999 nach 73 Jahre endlich eingeweiht werden konnte.

Natürlich kamen wir an zahlreiche Klosteranlagen vorbei. Das Weltkulturerbe
Zisterzienserkloster Poblet wollten wir besuchen. Dass die Uhren in Spanien anders ticken und Mittags meistens alles zu ist, hatten wir nicht bedacht. Nachdem wir den mächtigen Klostervorhof bis zur Basilika durchquert hatten, war´s uns auch klar, warum. Es ist mittags einfach zu heiss. Sogar die Katzen versteckten sich im Schatten. Bei der Cartoixa d’Escaladei waren wir schon schlauer und hatten uns über die Öffnungszeiten vorab informiert. Die Kartause liegt versteckt in einem Tal. Die Ruinen werden mit Hilfe von EU-Geldern restauriert. In der Anlage wurde bereits eine Mönchszelle wieder hergestellt. Die Kartäuser unterliegen dem Schweigegelübte. In völliger Zurückgezogenheit leben die Mönche spartanisch in ihren Zellen und kommen nur zu den Gebeten und für bestimmte Zeremonien in den Gemeinschaftsräumen zusammen. Die Wohneinheiten in Escaladei waren Ausnahmen. Die Einrichtung war funktional aber jedem Mönch stand ein Wohnschlafraum mit Kamin, ein Arbeitsraum, ein Waschraum, ein gedeckter Wandelgang, eine kleine Werkstatt, ein Holzschuppen und ein kleiner Garten zur Verfügung, alles in allem an die 200 Quadratmeter, Raum für die meditative Privatsphäre. Die Anlage durchlief in ihrer Geschichte mehrere Stilepochen. Das barocke Marientor ist besonders bemerkenswert. Escaladei (die Himmelsleiter) war sicher eine der großzügigsten Anlagen.

Unser Basislager schlugen wir für diese Rundfahrten in Reus auf. Und auch diese Stadt ist bemerkenswert, nicht nur weil es der Geburtsort von Antoni Gaudi ist, ein Architekt, dem man in Spanien nicht entkommt. Ich bin schon gespannt auf Barcelona, das wir am Ende der Reise besuchen werden. Zurück zu Reus, die Stadt besitzt einen historischen Stadtkern. Durch schmale Gassen vorbei an der Kathedrale schlendert man zur Plaza del Mercadal. Dort sticht das Casa Navas mit seinen floralen Schnökeln aus der Fassadenfront hervor. Der Architekt Domenech i Montaner wurde 1901 vom reichen Tuchhändler Herrn Navas und seiner Gattin (Spitzname Mrs. Pepper) mit dem Bau eines repräsentativen Wohn- und Geschäftshaus beauftragt. Geld spielte keine Rolle, was sich in der Qualität der verwendeten Materialien widerspiegelt. Das Haus wurde im Spanischen Bürgerkrieg beschädigt, dennoch ist weitestgehend alles erhalten und in gutem Zustand. Das Haus Navas ist ein einzigartiges Beispiel für Art Nouveau. Leider durfte nicht überall fotografiert werden. Ein paar Fotos gibt es dennoch.

Ein weiterer bemerkenswerter Zielpunkt war der Skulpturenpark Bosc de Can Ginebreda in der Nähe von Girona (Übrigens Girona ist unbedingt auch einen Besuch wert.). Die fleissigen BloglerserInnen wissen, dass wir schon fast Experten für Skulpturenparks sind. Can Ginebreda wurde vom Künster Xicu Cabanyes geschaffen. Die Objekte sind meist erotischer Natur. Das Atelier des Künstlers kann besichtigt werden und der Spaziergang durch den Wald ist eine förmliche Entdeckungsreise. Um die Figuren besser zu verstehen, empfehle ich die Worte des Künstlers nachzulesen (siehe Link).

Ein bisschen staubig war es auch die letzten Tage. War doch ein Zielpunkt nur über eine Schotterstraße zu erreichen, nichts gefährliches, aber ziemlich staubig und holprig. Und weil der Bock-Chef so gerne offroadig unterwegs ist, nutzten wir die Gelegenheit hier in den Pyrenäen ein Teilstück des spanischen ACT (Adventure Country Track) zu fahren. Bei dem prächtigen Wetter war das wirklich ein vergnügen.

Die Tageshöchsttemperatur kletterte in den letzten Tagen sogar auf 37 Grad Celsius, was die Fahrlaune etwas drückte. Mit meiner Retro-Motorradjacke bin ich aber recht gut ausgestattet. Die Jacke ist leicht und ich kann sogar die Ärmel aufkrempeln, wie Sunny Crocket in den Serien von Miami Vice in den 1980er Jahren. Das sieht vielleicht bei der Motorradjacke nicht ganz so cool aus, aber der Fahrtwind auf den Armen fühlt sich echt gut an.

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Ein Gedanke zu „Wir sind wieder im Geschäft

  1. Avatar von Elisabeth KratschmerElisabeth Kratschmer

    gratuliere, dass ihr neben den vielen gefahrenen Kilometer, Bergwege und Schotter auch noch so viel Kultur besichtigt. Es ist schön virtuell mitzufahren – DANKE

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