Rauf und wieder runter

Der Bock musste seine Luxusgarage mit den Stuckdecken wieder verlassen, so gut es ihm dort auch gefallen hat. Unsere Weiterreise war vielversprechend. Somit fiel es ihm auch nicht schwer, die Last unseres Gepäcks wieder auf sich zu nehmen und Kurve um Kurve in die Landschaft hinein zu fahren.

Immerhin waren wir in der Nähe der Dades-Schlucht, wo eines der unbedingten Must-have-Fotos der meisten Motorradreisenden in Marokko entsteht. Wir haben das jetzt auch im digitalen Kasten und enthalten es euch nicht vor.

Wir planten für diese Tour zwei Tage, da aus den Reiseberichten der Motorradgemeinde im Internet nicht klar hervor ging, ob die Strecke (RR704, Garmin) nach Agoudal auf 2.600 Höhenmeter von Kelaat M’Gouna aus ausgebaut ist. Die meisten berichteten von ca. 30km Piste. Das würde natürlich einiges mehr an Fahrzeit brauchen. Wir liessen uns überraschen und planten einen Zeitpuffer ein. Bei strahlend blauem Himmel kletterte der Bock Kurve um Kurve in die Berge hinauf. Der Asphalt war kaum erst getrocknet, alles neu. Wie wir im Quartier Auberge&Restaurant Agoudal erfuhren, wurde die Straße 2024 fertig gestellt. Übrigens, diese Herberge können wir guten Gewissens empfehlen, eine einfache Unterkunft, wie man es in den Bergen erwartet, sehr gemütlich und es gibt köstliches Essen. Vorerst sah es so aus, dass wir die einzigen Gäste für den Abend sind, so der Manager, doch plötzlich kam noch eine ungeplante Reisegesellschaft mit zehn Personen (Rumänen) an. Einige waren mit dem Auto unterwegs, die anderen mit dem Motorrad. Auf die Rumänen ist natürlich alkoholtechnisch Verlass. Sie hatten einen selbstgebrannten Zwetschkenschnaps aus der Heimat im Gepäck und etliche Dosen Bier – zur Freude des Bock-Chefs. Das sind eben die Vorteile, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Erstmals rollten wir uns in die dicken Decken ein. Hoch in den Bergen war es in der Nacht schon frisch. Das waren wir gar nicht mehr gewohnt.

Gut ausgeruht, bei der vielen frischen Luft, starteten wir die Abfahrt. Diesmal auf der RN121, die durchgehend Asphalt versprach. Dem war auch so, nur ist die Strasse stellenweise in einem schlechten Zustand, bedingt durch Auswaschungen. Man muss wissen, dass die Wasserläufe in Marokko oft die Strassen queren, einfache Flussdurchfurtungen sind hier üblich. Wenn es trocken ist, ist das alles kein Problem, wenn aber Wasser runter kommt, dann kann es auch schon mal heftig werden. Unterspülungen und Auswaschungen sind daher keine Seltenheit. Im Frühling bei der Schneeschmelze und nach starken Regenfällen macht es Sinn, sich zu erkundigen, ob die Strecke passierbar ist.

Unser nächstes Ziel war die Todra-Schlucht, auch so ein Must-See-Punkt für Touristen. Dass es so schlimm werden würde, haben wir nicht vermutet. Fluchtartig rauschten wir durch die den engen Canyon, und hielten erst wieder bei der „Quelle der heiligen Fische“ (Source des poissons sacrés). Der Wirt hat sich über konsumierende Kundschaft gefreut und wir genossen die Kühle der kleinen Oase. Heiligen Fisch haben wir natürlich keinen gegessen. Unter vorgehaltener Hand wurde uns beim Abschied noch Bier angeboten. Tagsüber gibt es keinen Alkohol. Warum eigentlich nicht dachten wir, für das nächste Quartier zwei Dosen mitnehmen! Ein kleines Kühltäschchen haben wir immer dabei.

Die Hotspots des Tages lagen hinter uns. 153 km lagen noch vor uns bis Madkhal Meski ein Ort nach Errachida. Doch plötzlich bemerkte der Bock-Chef, dass mit dem Schalthebel was nicht stimmt. Wir stoppten bei einer Tankstelle, tatsächlich, da fehlte eine Schraube. Zum Glück waren wir noch im Ortsgebiet von Tinghir. Schrauberwerkstätten für Kleinfahrzeuge gibt es in Marokko überall. Egal an welchem Wochentag man was braucht, die sind immer offen. In unserem Fall jetzt mal praktisch, denn eine passende Schraube war rasch gefunden und montiert. Es kostete mit Trinkgeld 1€. Die restlichen Kilometer waren schnell runter geradelt. Mit einem bayrischen „jo freilich“ wurden wir in Meski von einem Marokkaner empfangen. Aber diese Geschichte gibt es im nächsten Beitrag.

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