Pompöser Check-In in die Türkei

Wir hatten uns für den kleinen Grenzübergang bei Kipoi- Ipsala entschieden, da wir nicht über die Frächter-Strecke Edirne fahren wollten. 

An der türkischen Grenzstation angekommen, blieb uns gleich der Mund offen. Ein Monumentalbau der Sonderklasse begrüßt da die Ankömmlinge in Form einer riesigen Palasteinfahrt. Willkommen in 1001 Nacht. Leider wurde schon im Vorfeld massiv gewarnt, dass nicht fotografiert werden darf. Ich hab es auch unterlassen, daher hier der Link zu einer autorisierten visuellen Version der Grenzstation. Wir passierten drei Kontrollpunkte und ich bin mir sicher, dass wir auch bis ins kleinste Detail durchleuchtet und bestrahlt wurden. Der Beweis dafür war für mich, dass einer unserer  Scheinwerfer, der vor einigen Tagen trotz neuer Birne das Leuchten aufgegeben hatte, plötzlich für eine Minute bei der Durchfahrt durch den letzten Torbogen leuchtete. Nach dem Energiefeld der Grenzstation war alles wieder erloschen. Ausgerüstet mit einer türkischen prepaid Telefonwertkarte mit Datenvolumen und türkischem Geld rollten wir in das riesige Land auf einer sehr gut ausgebauten zweispurigen Autobahn hinein. Und so muss man sich das vorstellen: direkt einmündende Strassen und Feldwege, Umkehrmöglichkeiten mit Pfeilmarkierungen, gelegentlich ein geregelte Ampel Kreuzung, Obst- und Gemüsestände am Pannenstreifen, oder gar ein Pferdefuhrwerk bzw. ein tuckernder alter Traktor. Überraschenderweise war nicht viel Verkehr. Ich hatte mich schon auf ein Getümmel und Gehupe eingestellt. 

Unser erstes Ziel Troja/Truva (türkisch) Ziele lag südlich von Canakkale. Das gab uns gleich die Möglichkeit, die erst im März 2022 eröffnete Canakkale-1915-Brücke zu überqueren. Mit einer Spannweite von 2023 m und einer Höhe von 318 m ein ziemlich beeindruckender Bau und eine großartige Ingenieursleistung. Die Brücke ist die längste Hängebrücke der Welt. Die Bauzeit betrug nur fünf Jahre.  Symbolträchtig sind die Daten: 1923 Gründung der modernen Türkei – Länge der Brücke 2023 m; 1915 Erinnerung an die Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg;  Höhe der Pylonen 318 –  18.3. – ebenfalls Bezug auf die Schlacht und die Eröffnung am 18.3.2022 genau zur 107. Jahresfeier. Jetzt entlastet sie die Fährverbindung in den Dardanellen und ist eine wichtige Verbindung zwischen Europa und Asien. 

Nach diesen gigantomanischen ersten Eindrücken in der Türkei pirschten wir uns über eine kleine staubige Strasse Halileli an, dem Ort wo die Ausgrabungen von Troja liegen. Auf den ersten Blick ein unscheinbares Fleckchen Erde, zwei Kreuzungen, zwei Gaststätten mit vielen Tee trinkenden Männern, schlafende Strassenhunde, der Muezzin rief gerade zum Gebet, ein paar in die Jahre gekommene Traktoren an Straßenrand und eine wild blinkende Leuchtschrift am Baum vor dem einzigen Hotel, vis a vis ein großer „rostiger Würfel“ im Feld neben der Straße. Irgendwie hatte die Szenerie was von einer Filmkulisse aus einem Western. Mit perfektem britisch English wurden wir von Mustafa im Hirsarlik Hotel empfangen. Und als er merkte, dass wir Deutsch redeten, führte er die Konversation gleich in perfektem Deutsch weiter. Wir checkten in ein sauberes aber sehr spartanisches Zimmerchen ein, genau das Gegenteil vom King Maron in Griechenland. Zum Schlafen und Einstellen unserer Sachen reichte es gerade. Vor dem Hotelrestaurant gab es im Aussenbereich genügend Platz zum Sitzen und das bot auch gleich die Gelegenheit in das türkische Dorfleben einzutauchen. 

Wie sich herausstellte, war Mustafa ein geprüfter Reiseleiter. Sehr praktisch, so buchten wir ihn für eine Führung am Nachmittag des nächsten Tages im Archäologischen Park in Troja. Das Troja Museum – den rostigen Würfel – besuchten wir am Vormittag. Der Bau ist architektonisch sehr gelungen, passt sich gut der Landschaft an und birgt eine großartige Ausstellung über die Geschichte von Troja, den Trojanischen Krieg, das Ausgrabungsareal, die Fundstücke. Die Idee, den Ort des Geschehens mit den Artefakten zu verbinden ist hier sehr gut gelungen. Das Gebäude bildet die perfekte Hülle dafür. Mit seinen 50 m Höhe symbolisierte es die Grabungshöhe in Troja. Zwei Ebenen des Museum befinden sich daher unter der Erde. Der Archäologe Schliemann mag für die Erforschung Trojas wichtig gewesen sein, dennoch ist seine Dreistigkeit, mit der er Artefakte einfach ausser Landes gebracht hat, zu verurteilen. Es ist schade, dass dadurch sehr viele Objekte in Museen auf der ganzen Welt verstreut sind. 

Wer zum Bier des Tages möchte muss hier klicken.

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2 Gedanken zu „Pompöser Check-In in die Türkei

  1. Elisabeth Kratschmer

    Wünsche Euch eine gute Fahrt durch die Türkei – wo es ebenfalls viel zu besichtigen gibt (perfekt natürlich wenn ein Reiseleiter gleich vor Ort ist und dann auch noch deutsch!

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