
Wie schon bemerkt, kann weniger auch mehr sein. Unser Besichtigungspensum hatte sich zugunsten von Stadtwanderungen gewandelt.
So schlenderten wir einfach los, bestaunten interessante Häuserfassanden und pilgerten nicht gerade zufällig durch den Güell Park, eines der Hauptwerke DES katalanischen Architekten Antoni Gaudi i Cornet (1852-1926). „Zufällig“ ist heutzutage scheinbar bei den Hauptattraktionen in beliebten Touristendestinationen gar nichts mehr. Für den Park hatte ich schon Tage davor die Eintrittstickets online besorgt, was auch gut war. Wie wir mitbekommen hatten, war an unserem Besuchstag schon vormittags alles ausverkauft. Die Millionenmetropole Barcelona zieht das ganze Jahr hindurch über sieben Millionen Touristen an. Sieht man sich die Bevölkerungsstatistik inklusive des Einzugsgebietes der Stadt an, so könnte man sagen, auf jeden Einwohner kommen jährlich etwa zwei Touristen. Einige von denen haben wir natürlich im Güell Park getroffen.
Und noch viel mehr Gewusel gab es in der Sagrada Familia (Bauzeit 1882 bis heute), dem Lebenswerk Gaudis. Auch für dieses gigantische Bauwerk war einiges an Recherchen im Vorfeld notwendig und es bedurfte eines tiefen Griffes in die Brieftasche, um an Tickets für eine Führung und eine Turmbesichtigung zu kommen. Schon vor 29 Jahren war ich einen Sprung in Barcelona und wollte die Kirche sehen. Mein damals fast fünfjähriger Sohn schimpfte mich: „Du intergalaktische Gurke! Immer muss ich mit dir Kirchen anschauen.“ Scheinbar hatte er zu viel Star Wars geschaut! Trotzig verzichtete ich auf den Besuch, bestellte für ihn im Hotel Spaghetti Carbonara und für mich einen üppigen Cheesecake und das war´s mit Barcelona. Nächsten Tag flogen wir weiter nach Mallorca. Heute bin ich ihm dankbar dafür, den mittlerweile ist der Bau zwar noch immer unvollendet, aber weit fortgeschritten. Es gibt ein Dach, bunte Glasfenster und die Idee, die Gaudi mit der biblischen Erzählung in dieser einzigartig gebauten Natur verfolgte, ist hautnah spürbar. Nach der Führung saßen wir noch eine Weile in der Kathedrale und ließen alles nochmals auf uns wirken. Die Sagrada Familia ist für mich so eine überwältigende Schöpfung. Ich weiß gar nicht, wie ich die Eindrücke in Worte fassen kann. Die Ausdrucksformen des Kirchenbaus der Vergangenheit verschmelzen mit einer modernen ausdrucksstarken Interpretation, die schon fast etwas science fiction artiges ausstrahlen. Für mich ist sie einfach „intergalaktisch“ schön. Danke, danke, danke für das phantastische Erlebnis Sagrada Familia.
Wie bei jedem Künstler stellt sich auch bei Gaudi die Frage: Hat er alles selbst erfunden, oder gab es für ihn wo anders Anregungen? Nun, das erfuhren wir im Palau de la Musica Orfeo Catala, ein Musiktheater, das speziell für den katalanischen Volkschor – Orfeo Catala – erbaut wurde. In dieses einzigartige Konzerthaus stolperten wir ausnahmsweise wirklich zufällig hinein. Es liegt in der Altstadt von Barcelona und genießt nicht ganz so die Aufmerksamkeit, wie Gaudis Bauten. Wenn man die Konzerthalle des katalanischen Architekten Lluis Domenech i Montaner gesehen hat und weiß, dass er Gaudis Lehrer an der Akademie war, wird einem klar, woher die Inspirationen und der gebaute naturalistische Formenreichtum bei seinen Bauwerken kommt. Gaudis Stil vermischt sich mit Ausdrucksformen des spanischen Modernismus, dessen berühmtester Vertreter damals Montaner war. Durch eine individuelle phantasiereiche Interpretation entwickelte sich der unverkennbare Baustil Gaudis. Wer nach Barcelona kommt, sollte sich aber den Besuch im Palau de la Musica Orfeo Catala unbedingt auf die Bucket List schreiben.
Wir sind in den paar Tagen in Barcelona nur einmal mit der Metro gefahren. Die Stadt ist groß. Da kann man doch einige Kilometer zurücklegen, was wir auch zu Fuß machten. Das feine ist, dass es bei Stadtspaziergängen einfach viel zu entdecken und zu sehen gibt und es entsteht ein Gefühl für das Leben in der Stadt. Das dahin flanieren am letzten Tag war richtig entspannt. Den einzigen fixen Termin, den wir hatten, war die Fähre zurück nach Italien und die legte erst um Mitternacht ab. Wir sagen wehmütig – Adios Espagna!
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