Wir fahren weiter

Nach der Ruhephase im Soo Bin ging es auf völlig neue asphaltierter Fahrbahn weiter. Der Bock-Chef hatte eine Überraschung eingeplant.

Über die Berge wedelten wir nach Beni Mellal, wo wir dringend Cash auftankten. Die Stadt ist eine aufstrebende Metropole. Die umliegenden Flächen werden wasserintensiv landwirtschaftlich genutzt. Verschiedene Industriezweige sorgen für Arbeitsplätze. Daher verwundert es nicht, dass sämtliche Bankinstitute aufgefädelt auf der Hauptstraße ihre Firmensitze dort haben. Bei der Attijariwafa Bank, unser bevorzugtes Institut am Afrikanischen Kontinent, plünderten wir den Bankomat. Gleich daneben war ein schickes Café. Viele Herren waren office-mäßig gekleidet in dunklen Anzügen und mit Krawatten und sie trugen Lederschuhe, nicht nur Plastikschlapfen, wie die meisten Marokkaner am Land. Als Ex-Banker passten wir dort gut ins Publikum, auch wenn unsere Stiefel schon ziemlich staubig waren. Wir bestellten Kaffee und Saft. Und wie gerufen schlenderte ein Schuhputzer mit seinem Holzkistchen daher und begann am Nebentisch die Schuhe der Herren zu putzen. Wir engagierten ihn natürlich auch. Unseren Stiefeln schadete die Politur nach Wüstensand und Straßenstaub ganz sicher nicht. Scheinbar saß in dem Kaffeehaus seine finanzkräftige Stammkundschaft. Der Schuhputzer wanderte von Tisch zu Tisch, von Schuh zu Schuh. Wir hatten schon gehofft, irgendwo in Marokko einen Schuhputzer anzutreffen. Perfektes Timing.

Oum er-Rbia Stausee

Einige Kilometer lagen noch vor uns. Einen Teil der Strecke waren wir schon bei der Hinfahrt nach Bin El Ouidane gefahren. Irgendwo entlang der Hügelkette bogen wir ab in Richtung Ain Leuh. Wir kurvten über almige Höhe, durch Eichenwälder und plötzlich saß ein Affe am Straßenrand, und dann noch einer und noch einer. Wir waren im Affenwald von Marokko angekommen. Das war die geplante Überraschung! Der Bock-Chef hatte schon befürchtet, dass wir keine Berber-Affen antreffen, aber sie waren da. Am nächsten Tag, gleich nach Azrou, entlang der Hauptroute in den Süden werden die Berber-Affen an verschiedenen Plätzen gefüttert. Daher trifft man dort ganze Sippschaften an.

Am Weg nach Ifrane liegt der See Dayat Aoua. Kein Tröpfchen Wasser. Statt dessen wirbelte ein Minitornado über den ausgetrockneten See. Nun, dann weiter in die marokkanische Schweiz. So wird das Schigebiet um Ifrane, das auf 1.650 Höhenmeter liegt, auch genannt. Schnee gab es noch keinen, aber die Ähnlichkeit mit einem Wintersportort in der Schweiz ist in der Tat nicht zu leugnen. Der europäische Baustil rührt daher, dass die Franzosen Anfang des 20. Jahrhunderts die Stadt als Garnisonstadt ausbauten. Die Häuser erhielten Satteldächer. Der Baustil wurde später beibehalten. Auch der König besitzt in dem Nobelort hinter hohen Mauern und gut bewacht einen Zweitwohnsitz. Im Stadtzentrum kann man den Löwen von Ifrane bewundern. Die Steinskulptur stammt aus der Zeit des zweiten Weltkriegs. Der Legende nach hat ihn ein deutscher Kriegsgefangener geschnitzt. Er soll den letzten Berber-Löwen, die früher im Atlas Gebirge lebten und der 1920 erlegt wurde symbolisieren.

Von der marokkanischen Schweiz ging es zurück in das wahre Marokko, in die ehemalige Königstadt Fes. Von dort gibt es sicher wieder einiges zu berichten.

#motorradfahren #motorradreisen #bmwadventure #abenteuer #reiselust #pillionrider #kleineabenteuer #adventure #welterfahrung #marokko #ifrane #berberaffen

Kommentar verfassen