Italien geht immer

Pässemarathon 2021

Wie schon angekündigt, geht es im Herbst, also jetzt, weiter mit den Punkten der italienischen Ziele. Mal sehen was uns so erwartet.

Über den Umbrailpass sind wir über den Berg von der Schweiz rüber auf die italienische Seite gekommen. Drei Zielpunkte waren auf der Route nach Livorno eingeplant. Für das erste Ziel nahmen wir eine Etappe des Giro d’Italia in Angriff, den Mortirolopass auf 1852 m. Mit Steigungen bis 18% und einer Streckenlänge von ca. 13 Kilometer eine interessante kurvenreiche Straße. Historisch gesehen gehörte der Pass ebenfalls zu den wichtigen Saumwegen der Nord-Süd-Handelswege, deren Bedeutung sich im Laufe der Zeit je nach Entwicklung der Verkehrswege geändert hat. In Kriegszeiten war eigentlich die ganze oberitalienische Gebirgswelt heiß umkämpft, so auch der Mortirolo. Aber unser Ziel war nicht der Pass sondern das Caretto di Val Bighera, das auf 2130 liegt. Ich sag nur einfach unglaublich atemberaubend da oben! Ein kleines Stück geht die Straße von der Wegabzweigung noch weiter talwärts. Bei der Quelle war dann aber Schluss, nach dem Verbotsschild dürfen nur noch die einheimischen Holzarbeiter den Schotterweg benutzen. Schade für uns. Daher ging es wieder die Steigung rauf zum Caretto und auf der anderen Seite wieder runter.

Der erste Fahrtag von der Herbstreise war ganz nach unserem Geschmack. Kurvenreich und „breathtaking“.

Das passiert, WENN

Wir haben in einem kleinen Dorf in einem Wirtshaus wie die Bären geschlafen. Fit steuerten wir das nächste Ziel den Lago di Aple Gera an. Ca. 25 km ist die Strecke bis zum Stausee von Val Malenco aus. Anfänglich noch leicht zum dahincuisen und dann beginnen eine Serie von Kehren und zahlreiche Tunnels, die in den massiven Felsen gehauen wurden. Wie im Roadbook schon beschrieben, kann so manche Kurve zur Herausforderung werden.

Den Bock und uns gleich mit, hat es in so einer Kurve umgeworfen. Das kann z.B. passieren, wenn man zu langsam fährt und die Kurven halt relativ eng sind. Es ist nix passiert, ausser ein paar blaue Flecken und ein paar Kratzer am Schurzbügel. Den Staub und die Blätter abgeschüttelt, ging es weiter rauf auf 2024m zur Staumauer Alpe Gera (1961-1964). Von der Ferne schon sah man den Ghiacciaio-Gletscher, der den gleichnamigen Lago mit Schmelzwasser speist. Dahinter liegt ein Gebirgsmassiv. Und es war einfach alles wieder „breathtaking“! Der Zielpunkt war erreicht. Los weiter zum nächsten Punkt, den Monte Stino.

Diese beiden Marathonpunkte lagen etwas von einender entfernt. Also durfte sich Meister Garmin was ausdenken, wie man dort hin kommt. Die Tunnel von vorhin waren möglicherweise seine Inspiration, uns durch weitere Tunnel der Lombardei zu jagen, wobei sicher die Strasse entlang vom Lago Iseo landschaftlich schöner gewesen wäre. Das kann passieren, wenn Meister Bockchef dem Routenmeister freien Lauf lässt und keine zusätzlichen Wegpunkte eingibt! Unsere Lungen waren mit Abgasen und Baustellenstaub gut gefüllt. Hust, hust! Irgendwann erreichten wir doch den Einstieg zum Monte Stino. Eine sehr schmale Straße mit schlechtem Belag schlängelte sich den Berg hinauf. Gegenverkehr braucht man auf so einer Strecke nicht wirklich. War so schon so manche Haarnadelkurve grade breit genug, dass der Bock herum kam. Der Straßenplaner hat wohl einen kleinen Fiat 500 besessen. Trotz all der Mühen, der Monte Stino war geschafft. Meister Garmin hat scheinbar eine Alexa oder einen Siri zum Mithören von unserem Geschimpfe über die Miststrecke durch die Tunnel eingebaut. Denn – schau an – die nächste Etappe, die er sich ausgedacht hatte, war echt wild romantisch, ganz nach unserem Geschmack.

Und dann ging es auf zum Gardasee in das mondäne Gardone, wo wir uns in einem kleinen Hotel direkt an der Hauptstraße mit Blick auf den See eingemietet hatten. Der Bock (BMW 1200 GS Adventure) hat zwar einen großen Tank, aber auch der gehört gelegentlich aufgefüllt, um ans Ziel zu kommen. Benzin ist teuer in Italien, deswegen kam die Selbstbedienungstanke von Esso gerade recht. € 30,00 in den Automaten geschoben, Zapfsäule ausgewählt, Zapfhahn in den Tank gesteckt und kein Tröpfchen Benzin kam heraus. Und natürlich kam das Geld auch nicht mehr aus dem Tankomat. Einheimische bemühten sich, einen Besitzer ausfindig zu machen oder eine Telefonnummer, alles ohne Erfolg. Na, wenigstens hat die Kiste einen Beleg ausgespuckt, der bewiesen hat, dass ich Geld bezahlt hatte aber kein Benzin geflossen war. So ärgerlich! Das passiert , wenn Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen. Bei der nächsten Esso konnten wir wenigstens den Besitzer eruieren und eine Telefonnummer. Die Dame im Hotel habe ich gefragt, ob sie bei der Tankstelle anrufen könnte. Sie musste lächeln, sie kannte den Besitzer, weil Sie in dem Ort wohnt. Sie holt sich das Geld zurück, sagte sie und gab mir € 30,00. Ich hab mich so gefreut. Das passiert, wenn Menschen miteinander reden.

Die momentanen Ziel waren abgeklappert. Vorbei an den großen Parmaschinkenfabriken und den Parmigiano Reggiano Produktionsstätten erreichten wir die Toskana, wo wir noch eine Nacht verbringen, bevor es morgen auf die Fähre nach Korsika geht.

Arrivederci e vediamo a Francia
Ami + Pi + Der Bock

#toskana #montestino #valbighera #motorradreisen #motorradfahren #italien

8 Gedanken zu „Italien geht immer

  1. Silencer

    Ich HASSE diese Selbstbedinungstankstellen. Wann immer möglich suche ich mir einen mit Bedienung, da muss man sich dann nicht mit Automaten rumärgern die Geld fressen oder Kreditkarten verweigern.

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  2. highman31

    Zum Glück ist euch bei dem Umfaller nix passiert – die paar Schrammen am Sturzbügel gehören in die Kategorie „artgerechte Haltung“ 😉
    Meine Trophy kann auch schon ein kleines Lied davon singen.
    Weiterhin eine schöne und erlebnisreiche Reise.

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